{"id":5568,"date":"2020-04-15T20:42:40","date_gmt":"2020-04-15T20:42:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.moralfactory.com\/?p=5568"},"modified":"2020-04-16T07:03:15","modified_gmt":"2020-04-16T07:03:15","slug":"corona-macht-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.moralfactory.com\/?p=5568","title":{"rendered":"Corona. Macht. Politik."},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"296\" class=\"wp-image-5572\" style=\"width: 150px;\" src=\"https:\/\/www.moralfactory.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-2020-04-15-at-22.18.09.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.moralfactory.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-2020-04-15-at-22.18.09.png 672w, https:\/\/www.moralfactory.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-2020-04-15-at-22.18.09-152x300.png 152w, https:\/\/www.moralfactory.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-2020-04-15-at-22.18.09-519x1024.png 519w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><br>Ein Vergleich<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Als <strong>Feuer und Wasser<\/strong> die Kathedrale Notre Dame in Paris am 15. April vor einem Jahr gleichermassen bedrohten, waren Augenma\u00df und viele kleine Entscheidungen n\u00f6tig, um das Grundger\u00fcst nicht zu \u00fcberfordern. Keine Generalprobe hatte ein solches Inferno vorgesehen. Es kam auf die <strong>Professionalit\u00e4t der Feuerwehrleute<\/strong> und deren Leitung an. Noch w\u00e4hrend der Brand schwelte, kamen die ersten Zusagen und Versprechen aller Art f\u00fcr einen<strong> raschen Wiederaufbau.<\/strong> Als der Schaden Wochen sp\u00e4ter erhoben war, wurden Vorschl\u00e4ge eingebracht und ausgewertet, <strong>wie die Neue Kathedrale Notre Dame in Zukunft aussehen sollte.<\/strong> Das neue Denkmal w\u00fcrde anders aussehen und die Geschichte und Erfahrungen des verheerenden Brandes integrieren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br>Ein neuer gesellschaftlicher Pakt entsteht<\/h4>\n\n\n\n<p>Noch in der Nacht selber hatte Pr\u00e4sident Emmanuel Macron das Heft in die Hand genommen und einen <strong>Ordnungsrahmen f\u00fcr die Zukunft<\/strong> geschaffen. \u00c4hnliches erleben wir dieses Jahr in der ganzen Welt angesichts der Corona-Pandemie. <strong>Politiker ergreifen ihre legitime Macht<\/strong> und schaffen innerhalb k\u00fcrzester Zeit Verh\u00e4ltnisse, die der nur schwer einsch\u00e4tzbaren Situation so gut wie m\u00f6glich Rechnung tragen. Sie tun das <strong>zumeist im Einverst\u00e4ndnis der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger,<\/strong> die allein in der Lage sind, das Blatt exponentiell so rasch zu wenden, dass das hochgekr\u00f6nte Virus das Rennen um unsere Atemluft und Nerven vorerst einmal verloren hat. Noch ist der Druck auf dem Gesundheitssystem hoch, das seine Tragf\u00e4higkeit auch durch die \u00fcbermenschliche Kraft und Resilienz vieler \u00c4rztinnen, Pfleger und Mitarbeitenden behaupten konnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon kommt der <strong>Druck von der Wirtschaft,<\/strong> die kollateral ebenso stark leidet. <strong>Ihr Wiederaufbau ben\u00f6tigt heute ebenfalls Helden, die bereit sind, unter dem Risiko ihrer Existenz neu anzufangen.<\/strong> Dies wird dann gelingen, wenn die Politik ihre gerade erst wiedergefundene Macht beh\u00e4lt und Rahmen f\u00fcr die Ordnungspolitik der Zukunft vorgibt.<br>Der gerade offen gelebte neue Pakt zwischen V\u00f6lkern und ihren Regierungen sollte nicht vorschnell zugunsten von sich behaupten wollenden Einzelinteressen wieder gebrochen werden. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Retro-topia oder Utopia ?<\/h4>\n\n\n\n<p>In dem Zusammenhang lohnt sich einen Blick in das letzte Werk des 2017 verstorbenen grossen polnisch-britischen Soziologen und Philosophen <strong>Zygmunt Baumann<\/strong> zu werfen. Unter dem vielsagenden Titel \u201cRetrotopia\u201d f\u00fchrt er das Unbehagen in der Gesellschaft und die stetig wachsende <strong>Tendenz, die Zukunft in der Vergangenheit zu suchen,<\/strong> gerade auf das <strong>Auseinanderfallen von Macht und Politik<\/strong> zur\u00fcck. Die neue, durch das Corona-Virus erm\u00f6glichte, <strong>kollektive Lage hat Macht und Politik wieder wirkm\u00e4chtig zusammengef\u00fchrt.<\/strong> Diese birgt f\u00fcr die Gesellschaft und ihre Politik neue Chancen und Risiken, die nur gemeinsam mit einer Wirtschaft im Dienste des Gemeinwohls bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. <em>Eine neue, von Politik und Gesellschaft vorzugebende, Wirtschaftsordnung sollte den Anspruch haben, an einer besseren Welt f\u00fcr viele Menschen mit zu wirken. <\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt kein Zur\u00fcck in eine vermeintlich goldene Vor-Corona-Zeit. Solche Vorstellungen w\u00e4ren nach Baumann nichts als r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Retrotopien. F\u00fcr die Post-Corona-Zeit werden Utopien, oder weniger futuristisch formuliert, <strong>Ziele und Pl\u00e4ne gebraucht, die sowohl Corona-fest als auch sozialethisch-fest sind.<\/strong> Der Dialog um eine <em><span style=\"text-decoration: underline;\">feuerfeste<\/span><\/em> und <em><span style=\"text-decoration: underline;\">wassergesch\u00fctzte<\/span><\/em> <em><span style=\"text-decoration: underline;\">Gesellschaft<\/span><\/em> sollte nicht hinter verschlossenen T\u00fcren gef\u00fchrt werden, sondern in den Parlamenten und mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Die Wirtschaft k\u00f6nnte sich dieses Mal im kreativen Zusammenspiel mit den Gemeinschaftsg\u00fctern Gesundheit und Klima selber zu einem weiterhin privat bewirtschafteten Gemeinschaftsgut im Dienste des Gemeinwohl entwickeln. <strong>B\u00fcrger und Politik haben bewiesen,<\/strong> dass sie der aktuellen <strong>Gesundheitskrise<\/strong> <strong>gewachsen<\/strong> sind. Sie k\u00f6nnen dieses Mal auch beweisen, dass sie der kommenden <strong>Wirtschaftskrise<\/strong> <strong>gewachsen<\/strong> sind, wenn sie sich weiter transparent und im Dialog f\u00fcr das Gemeinwohl einsetzen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaftliche Hilfe f\u00fcr die Helden des Gemeinwohls<\/h4>\n\n\n\n<p>Bis auf Weiteres wird sich, in dieser Utopie, niemanden daran st\u00f6ren, wenn wirtschaftliche Hilfen f\u00fcr Unternehmen daran gebunden werden, dass die dank einer kollektiven Anstrengung erst m\u00f6glichen und<strong> n\u00f6tigen Gewinne hundertprozentig zur\u00fcck in die Gemeinschaftskasse der B\u00fcrger<\/strong> fliessen.  Ein zur\u00fcck in die alte Welt rein privater Interesse w\u00e4re ein zur\u00fcck in Muster von ungerechter Diskriminierung und Macht des St\u00e4rkeren.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ich freue mich auf die Zeit, wenn<strong> bedingungslos gesch\u00fctzte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger<\/strong> um 21 Uhr am Abend auf den Strassen und in den H\u00e4usern innehalten, um einer Wirtschaft zu <strong>applaudieren<\/strong>, die unter dem Risiko ihrer Existenz einen weiteren Menschen aus der Armut gerettet hat und ihre T\u00fcren weiterhin unterschiedslos f\u00fcr alle offenh\u00e4lt, die Arbeitskraft und -wille anbieten. Die Verantwortlichen und Kapitaleigner der Wirtschaft k\u00f6nnen in dieser Krise viel \u00fcber ihre sogenannten Arbeitskr\u00e4fte oder Human Resources von den aktuellen Heldinnen des Gesundheitswesen, den Verk\u00e4ufer hinter der Brottheke, den Fahrerinnen und den unz\u00e4hligen Ehrenamtlichen lernen. <strong>Wenn es um Menschen geht, wird nicht gerechnet!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br>Wir. Macht. Politik.<\/h4>\n\n\n\n<p>Das Momentum der neugefundenen <strong>kosmopolitischen Einheit unseres Menschengeschlechts<\/strong> sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen. Auch die neue Macht der Politik ist im demokratischen Staat immer nur delegiert und geliehen, um die Schrecken eines jeden gegen jeden und alle zu domestizieren. Der bisweilen ungehemmte Kampf zwischen unbescholtenen Supermarktkunden um ein paar <strong>Klorollen<\/strong> wird emblematisch in Erinnerung bleiben. Das Tier im Menschen bedarf der Z\u00e4hmung, genauso wie die Gier in der Wirtschaft gez\u00fcgelt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Es w\u00e4re verheerend f\u00fcr unser <strong>Demokratieverst\u00e4ndnis<\/strong>, m\u00fcssten Wir nach dem Aufheben des Lockdowns feststellen, dass die unsichtbaren Berater die neu gewonnene Macht schon wieder feins\u00e4uberlich von der Politik geschieden haben, um sie in ihrer unsichtbaren Hand zu behalten. Zygmunt Baumann schliesst sein Buch Retrotopia mit einem Satz, dem nichts beizuf\u00fcgen ist: <em>\u201cEntweder wir reichen einander die H\u00e4nde \u2014 oder wir schaufeln einander Gr\u00e4ber.\u201d<\/em> <strong>Wir. Macht. Politik.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Erny Gillen, am 13. April 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vergleich Als Feuer und Wasser die Kathedrale Notre Dame in Paris am 15. 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